Der Titel. Ja, der Titel. Das ist der Grund, weswegen ich in den letzten Tagen nicht gebloggt habe.
Es ist so viel los, in meinem Kopf, dass ich mich erstmal sammeln musste. Sammeln...
Um von vorne anzufangen: Ich habe Montag einen Anruf bekommen, vom Krankenhaus. Dass ich ab nächsten Dienstag, den 05.03. in die Klinik konnte.
Erste Reaktion: Freude! Endlich passiert etwas. Endlich komm ich wieder ein wenig voran. Endlich habe ich wieder eine richtige Sturktur in meinen Tagen. Endlich passiert etwas. Endlich werd ich nicht mehr mit meinen Gedanken alleine gelassen, ohne professionelle Hilfe. Endlich passiert etwas.
Ein paar Stunden später kam dann die Angst zurück. Die Angst vor den Menschen. Die Angst vor den Gesprächen. Die Angst vor den Gruppentherapien. Die Angst vor den Gesprächen in der Einzeltherapie. Die Angst davor, mich mit Dingen beschäftigen zu müssen, die ich am liebsten einfach so liegen lassen würde, nicht weiter beachten. Sie sind zwar da, in meinen Erinnerungen, aber schon abgehakt. Ja, ich hätte vieles gerne abgehakt. Aber anscheind habe ich das noch nicht getan. Sonst wär das ganze Spiel ja nicht.
Diese Angst hat dann erstmal ein paar Tage angehalten. Ein paar Vorbereitungen wurden noch getroffen.
Jetzt denke ich wieder drüber nach, eher nüchtern. Ich bin da, damit mir geholfen wird.
Ich bin da, um den Heilungsprozess in den Weg zu leiten.
Ich bin da, weil ich eine ernstzunehmende Krankheit habe.
Ich bin da, um endlich richtig Hilfe zu bekommen.
Ich mein, mir ist klar, dass ich nicht mit Depressionen hinein und ohne hinaus gehen werde. Das wär zu schön. Aber so leicht ist es leider nicht.
Ich wünsche mir für die Zukunft...
Das dieser Klinikaufenthalt wirklich was bringt. Dass ich es schaffe, ein paar Meter mehr auf diesem langen und schweren Weg zu gehen. Ein paar Meter, die ich alleine nicht schaffen würde.
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich diesen Weg irgendwann erfolgreich gemeistert habe.
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich lerne mein Potential zu nutzen, den Bremsklotz zu überwinden und auch mit Depressionen meine bestmögliche Leistung in allen Bereichen des Lebens zu schaffen.
Ich wünsche mir so viel. Aber vorallem: Offen, ehrlich, wahrhaftig und echt zu lächeln.
Dienstag gehts los. Ich weiß nicht, ob ich darüber bloggen werde, aber ich denke eher nicht. Vielleicht ein klein wenig, wer weiß das schon. Hui.
Und schon oft auf dem Weg nach oben dacht ich: "Oh, verflucht
Das wird kein hoher Flug, der Boden ruft, Großstadtblues"
Ungewohnt, dass es mal dunkel, mal hell ist
Ich renn rum, stummer Held - der Hutmacher von Alice
All das abzuwaschen, war nicht einfach, aber tu es
Ab unter die Dusche, in den Abfluss mit der schwarzen Tusche
Und ich kann mich noch bis heute erinnern
Sie versprachen mir das Blaue vom Himmel, kreuzten die Finger
[...]
Ich war immer kurz davor aus der Stadt zu fliehen
Kein falsches Lachen, nie wieder Theater spielen
Lass alles hängen, endlich wieder wie ein Kind fühlen
Nie wieder kämpfen gegen Windmühlen
[...]
Damals sagte ich: "Hallo Welt, das bin ich."
Jetzt denk ich: "Meine Fresse, falsche Adresse erwischt."
Gefällt mir nicht, doch ich bleibe, ja was soll's?
Meine Freiheit, mein Reichtum, mein geheimer Schatz aus Gold
Bittere Tränen, bitterer Schnaps
Keine Schulter da zum anlehnen, ich nehm nicht mal die von Paps
Alles zig mal verpatzt, aber Stop, Schluß jetzt
Ein Shot Wodka Puschkin in ein trockenes Flußbett
Ich helf mir selbst, schalte meinen Kopf aus
Deine seine Worte verstehe ich. Chakuza, einer der besten Musiker, die die deutschsprachige Landschaft zu bieten hat.
Und wow, man sieht in wieder lächeln. Ich hätte nicht gedacht, dass das nochmal passiert. Aber auch er hat seine psychischen Probleme hinter sich gelassen.
Und jetzt, seine neuen Lieder, sie geben mir Mut.
Mit seinen alten Songs kann ich mich identifizieren, weil sie so sehr meine Gedanken, meine Stimmungen wiederspiegeln.
Die neuen Sachen, kein Rap mehr, mit Band, wunderschön. Ich musste mich dran gewöhnen, das Chak jetzt anders klingt. Aber er hat nun ein anderes Leben.
Und seine Songs geben mir Kraft.
Jetzt stell dir das Folgende bitet vor:
Es ist Sommer.
25°; wolkenfreier, blauer Himmel.
Du bist schon relativ früh wach geworden, obwohl keine Schule ist oder du nicht arbeiten musst.
Du fühlst dich ausgeschlafen.
Du frühstückst draußen im Garten, in der Sonne.
Danach lässt du beim Duschen kühles, erfrischendes Wasser über deine Haut laufen.
Du schnappst dir ein paar Sachen für die Schule oder die Arbeit, machst ein bisschen was. Wenn du fertig bist, die Sonne ihren wärmsten Punkt schon überschritten hat triffst du dich mit Freunden, ihr quatscht.
Oder du setzt dich auf dein Fahrrad und machst eine kleine Tour.
Oder du gehst spazieren.
Du tust alles, was du willst. Draußen, an der schönen, frischen Luft. Es herrscht ein leichter Luftzug, der dich nicht frieren lässt, sondern dich ab und an gut erfrischt und die Wärme nicht unerträglich macht.
Es wird später, und langsam ist es dunkel. Du kommst wieder nach Hause.
Es ist schon kühler, aber angenehm.
Es riecht stark nach Gewitter.
Du setzt dich noch draußen hin, liest unter der Lampe im Garten noch ein wenig. Dann fängt es an zu regnen. Nicht so ein Nieselregen, ein richtiger, starker Platzregen. Du setzt dich schnell unter das Dach. Dann holst du dir von drinnen ein kühles Bier. Es fängt an zu blitzen und zu donnern. Wenn du ein Raucher bist, steckst du dir jetzt in Ruhe eine Zigarette an.
Dazu machst du leise ruhige, entspannte Musik an, aber nicht zu laut. Du willst ja das beruhigende Prasseln des Regens noch hören.
Ich mag das aktuelle Wetter nicht.
Merkt man das?
Es ist nicht meins. Es ist alles grau. Es ist kalt. Ich will nicht mehr mit Pulli und dicker Jacke rumlaufen. Ich brauche keinen Schal. Ich brauche blauen Himmel, warme Luft und Sonne.
Deswegen habe ich mich vorhin gedanklich in das eben Beschriebene versetzt. Und meine Traumwelt genossen. Dort fand ich es schöner, als im hier und jetzt. Nun, jetzt bleibt mich nichts anderes übrig als zu warten....
Ich möchte Flamme sein und Asche werden Und hab noch nie gebrannt. Ich will hoch und höher steigen. Und sinke immer wieder ins Nichts. Ich will ein Engel oder ein Teufel sein, Und bin doch nichts als eine Kreatur, Die immer das will, was sie nicht kriegt.
[...]
Ich will die Welt verstehen Und alles wissen, und kenn mich selber nicht. Ich will frei und freier werden Und werde meine Ketten nicht los. Ich will ein Heiliger oder ein Verbrecher sein,
[...]
Manche glauben an die Menschheit, Und manche an an Geld und Ruhm. Manche glauben an Kunst und Wissenschaft, An Liebe und an Heldentum. Viele glauben an Götter verschiedenster Art, An Wunder und Zeichen, An Himmel und Hölle, An Sünde und Tugend Und an Bibel und Brevier.
Es ist eins meiner Lieblingslieder aus diesem Musical.
U.a. wegn dieser Zitate.
Ich liebe sie und ich kann sie verstehen. Ich fühle sie. Ich kann nach vollziehen, was Graf von Krollok da singt.
Und es macht mir Spaß sie immer wieder (neu) zu interpretieren.
Doch, das soll eure Aufgabe sein, wenn ihr wollt.
Hört das Lied. Hört das Musical, wenn ihr wollt. Lest diese Zeilen und denkt einen Moment drüber nach.