Morgen geht es los.
Um 9 Uhr ist Justin vor meiner Tür.
Heute: Tasche zuende packen.
Alles in unser Auto, zu Justin fahren, den Clio beladen.
Nach hause. Entspannen.
Aller- aller- allerletzte Vorbereitungen.
Wow.
Ich war den ganzen Tag irgendwie angespannt.
Jetzt, während ich diese Worte schreibe, kommt ein Lächeln in mein Gesicht.
Die Aufregung steigt langsam.
14 Tage mit dem besten Freund, dem Bruder, durch Deutschland. Verdammt, das wird geil.
By the way: Der letzte Stopp hat sich geändert. Nordenham ist gecancelt. Fehmarn ist gebucht.
Da waren wir schonmal, mit der Kirche.
Der perfekte Abschluss.
Schon im Bett liegen, schlafen wollen.
Dann. Das Geräusch von Regen dringt zu mir durch. Lauter Regen, viel Regen.
Helles Licht - Blitz.
Grummeln - Donner.
Anziehen, raus gehen.
Auf die Treppe setzen, zu unserem Garten. Unter dem Stückchen Dach.
Da, wo ich immer sitze.
Musik an, leise. Will ja den Regen hören.
Meine Gedanken fangen an zu kreisen, während ich dem Regen zu schaue. Während die Blitze den Himmel für Momente Taghell machen.
Ich bin versetzt, komme in die 12.
Habe einen Plan, was ich mit meinen Leben anfange.
Es war wohl das Beste, was mir passieren konnte. Dass ich die 11 wieder holen musste.
Ich brauchte dieses Jahr, es war ein Jahr der Selbstfindung.
Ein Jahr lauter Höhen und Tiefen.
Ein Jahr, in dem mir viele Dinge bewusst geworden sind.
Ein Jahr, in dem ich an mir selbst gewachsen und gereift bin.
Ich weiß zur Zeit, so gut wie noch nie, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht.
Es gibt Umstände, die ich nie in diesem Blog erwähnt habe - und auch jetzt nicht tun werde.
Aber es sind schlicht und einfach Dinge passiert, die mir den Weg gewiesen haben.
Dinge, Gefühle und Stimmungen, die mich sensibler mir selbst gegenüber gemacht haben.
Freundschaften wurden gestärkt, neue Leute kennen gelernt.
Gleichzeitig sind Freundschaften zerbrochen. So ist das Leben.
Ich gehe einen großen Schritt aufs Erwachsenenleben zu.
Ein wenig beängstigend.
Aber: Ist nicht gerade das das größte Abenteuer, welches es zu meistern gilt?
Ich bin jetzt 18. Und wenn ich mein Abitur habe bin ich 20. Wow.
Ich habe noch 2 Jahre.
Und im Grunde weiß ich, 2 Jahre sind nichts. Und doch eine lange Zeit, in der eine Menge passieren kann.
Was ich mittlerweile weiß ist: Zu 90% werde ich in zwei Jahren zu der Zeit mitten im Umzug stecken. Oder in der Vorbereitung. Oder ich leben schon woanders.
Wo? Keinen blassen Schimmer, ich kann überall in Deutschland landen.
Am wahrscheinlichsten ist allerdings Berlin oder Köln.
Aber das Abitur muss ersteinmal gemeistert werden.
Ein Nebenjob muss gefunden werden.
Ich will ins Fitnessstudio.
Will mich um meine Freunde kümmern.
Vielleicht hab ich ja sogar irgendwann wieder eine Freundin?
Wer weiß das schon.
Aber. Es wird eine geile Zeit, die nächsten zwei Jahre. Die Jahre, die die Weichen stellen für meine Zukunft, für die Studienplatz suche und die damit zusammenhängende Karriere.
Verdammt, ich hab Bock.
Regen, Gewitter, Licht. Man sieht nur Licht, die Stimmung ist das Ausschlaggebende.
So legte ich das Kreuz ab,
meine Kette.
An die Wand gehängt.
Will es nicht aus meinem Leben streichen, vorallem die Zeit in der Kirche - wunderbare Erinnerungen.
Bekam ein neues, zum Geburtstag - nie getragen.
Monate später, Ersatz gefunden.
Ein Anker ziert nun meine Brust.
Ein Anker.
Wieso ein Anker?
Anker - stehen für Hoffnung.
Hoffnung, das, was mir vor Ewigkeiten verloren ging.
Das, was ich in den letzten Monaten wieder gefunden habe.
Hoffnung spielt mit Perspektive zusammen, Zukunft.
Um für sich selbst eine Perspektive zu sehen, braucht man Hoffnung.
Anker - stehen für einen festen Halt im Leben.
Ein fester Halt, lange gesucht. Spät gefunden.
Und dennoch, ich stehe mit beiden Beinen fest auf meinen Wolken.
Meinen Wolken, die Träume.
Ein fester Halt, manchmal das Wichtigste.
Anker - stehen für die ewig währende Liebe.
Auch wenn es sich oft anders anhört, ja. Daran glaube ich.
Nun,
jeden Tag, wenn ich in den Himmel schaue, sehe ich die Schwalben, wie sie fliegen.
Und wünschte mir, ich könnte mit ihnen fliegen.
Hoch in den Lüften. Die Welt erkunden und frei sein.
Frei von jeglichen Zwängen, das einzige, auf dass es ankommt: Leben.
Schwalben - mit ihnen da leben, wo die Sonne ist. Wo es warm ist.
Ich glaubte an Gott.
Nicht, wie es "geschrieben steht". Einfach auf meine eigene Art und Weise.
Aber nun.
Ich habe die wohl anstrengenste und härteste Zeit hinter mir. Hab es geschafft - und zwar ohne Gott. Sondern mit Realismus, Verstand.
Wo ist er, dieser Gott?
Wie kam es dazu, dass ich, ein offen gläubiger Mensch nun ein Handyhintergrundbild hat, auf dem steht:
Definition: auch englisch: [sɛgrɪˈgeɪʃ(ə)n <bei englischer Aussprache: Plural: Segregations> [englisch segregation] (Soziologie) Trennung von Personen[gruppen] mit gleichen sozialen (religiösen, ethnischen, schichtspezifischen u. a.) Merkmalen von Personen[gruppen] mit anderen Merkmalen, um Kontakte untereinander zu vermeiden
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Samstag. Geburtstag reinfeiern, von Kyra. Duisburger Süden. Justin und Cedric waren auch dabei. Wir kommen aus dem Norden.
Ich mein, okay. Es ist Duisburg. Eine Stadt, unter 500 Tausend Einwohner. Und dennoch, wer als Jugendlicher Menschenkenntnis besitzt und eine gute Auffassungsgabe merkt schnell, dass es so viel anders ist.
Die Leute haben Geld. Sie tragen andere Sachen. Sind oberflächlicher. Müssen sich auf Partys durch Partys profilieren.
Ich weiß nicht, vielleicht habe ich mich geirrt.
Klar, ich hab auch Freunde im Süden. Gerade Kyra, Lou, Alina. Sie sind nicht oberflächlich. Und viele Leute scheinen auch nett zu sein, aber während der Party. Es war wie in einer anderen Welt. Seltsames Gefühl.