Die vom Regen nassen Haare hingen mir im Gesicht. Langsam liefen mir Regentropfen die Wange herunter. Sie tropften von meiner Nase und blieben schließlich an meinen Lippen hängen. Ein Teil tropfte mir vom Kinn.
Oder waren es Tränen? Nein, nur Regen.
Völlige Stille überkam mich. Der Verkehr der Landstraße und von der Autobahn in der Nähe, die Stimmen, nichts. Ich hörte nichts. Meine Gedanken verloren sich.
War es wirklich? Konnte es wirklich passieren? Jetzt? Heute? Dabei war es doch so schön gewesen. Die letzten Stunden, die schönsten die ich je hatte. Konnte jemand wirklich in einem so schönem Moment aus dem Leben gerissen werden? Ich wollte es nicht glauben. Ich konnte es nicht glauben. Nicht verstehen, nicht begreifen. Konnte nicht begreifen, dass es wirklich war. Konnte nicht begreifen wie wirklich es war.
Aber, was war wirklich? War ich wirklich? War das Leben wirklich? War dies das Leben? Mein Atem war flach und schnell. War er schon die ganze Zeit so schnell? Oder erst seit grade eben? Ich hatte es nicht bemerkt.
Ich versuchte ihn zu beruhigen. Nase ein, Mund aus. So, wie man es beim Sport gesagt bekommt, nach dem langen Sprint, nach dem man sich am liebsten voller Erschöpfung auf den Boden sinken lassen würde, sich hinlegen würde und einfach nichts tun. So fühlte ich mich. Genau so fühlte ich mich, in diesem Moment. Erschöpfung. Es gelang mir nicht meinen Atem ruhig zu stellen.
Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Die Außenwelt war so nah, und doch so fern. Warum?, fragte eine innere Stimme. Eine gute Frage. Aber eine Frage die ich nicht fragen wollte. Eine Frage die nicht fragte, warum sie sterben musste. Eine Frage die fragte, warum ich jetzt wieder alleine sein musste. Mir wurde schwindelig. Wie konnte ich bloß so egoistisch sein? Ich bekam einen Würgereiz. Das war es, was ich meiner Schwester ein paar Stunden zuvor nicht erklären konnte. Die Gesellschaft war zu eingebildet, oberflächlich, und arrogant, um zu verstehen. Ich war zu eingebildet, zu oberflächlich, zu arrogant. Um zu verstehen, zu begreifen.
Begreifen. Wie sollte ich?
In meinen Adern kochte das alkoholdurchmischte Blut. Mir wurde langsam schwarz vor Augen. Ich setzte mich auf den feuchten Asphalt. Links neben Tascha. Rechts von ihr bahnte sich eine Blutlache den Weg. Ich schaute das Blut an, dass von dem leichtem Nieselregen verdünnt immer weiter floss. Bald dürfte sie leer sein, dachte ich. Erschrak, als mir dieser Zynismus bewusst wurde.
Blut.
Blut.
Menschenblut.
Taschas Blut. Was?, die innere Stimme meldete sich zurück. „Ja“, rief ich, ohne es zu wollen. „Taschas Blut“, murmelte ich, um es dieser Stimme bewusst zu machen. Es war schon wieder jemand von uns gegangen. Nein, kein Tier – eine Spinne zum Beispiel. Da schert sich keiner drum, aber dass sie vielleicht auch eine Familie hat, die sie ernähren will, ernähren muss – daran denkt niemand. Tiere sind nichts wert in dieser Gesellschaft – Menschen dafür das hundertfache.
Verlogene Gesellschaft.
Ignorante Gesellschaft.
Scheiß Gesellschaft, flüsterte die Stimme. Verlogene, ignorante, scheiß Gesellschaft. Sie redete eindringlich auf mich ein. Wiederholte es immer und immer wieder. Wollte, dass ich auch so denke. Ein Teil in mir fühlte sich dieser Stimme verbunden, gab ihr Recht. Ein anderer Teil sträubte sich ihr auch nur zu zuhören. Die Gesellschaft funktioniert doch wunderbar, so wie sie ist. Wollte mir dieser Teil sagen. Ein dritter Teil saß zwischen den Stühlen. Er dachte, dass ja irgendwie beide recht hatten.
Diese Gesellschaft ist einfach nicht rechtens, sagte der Bauch. Doch, das ist sie, rief das Herz. Der Kopf hingegen wusste nicht, wem er folgen sollte. „Ihr habt doch beide recht“, schrie er. Schrie ich. Stille.
Ich wurde steif. Rot. Hier liegt ein totes Mädchen und ihr müsst euch streiten, habt Respekt!, der Kopf konnte noch klar denken.
Stille. In mir. Um mich herum.
Totes Mädchen. Warum?, kam die Frage – von allen drei.
„Wenn ich das wüsste“, antwortete ich. Murmelte ich. Ein Seufzer. Ich schloss die Augen, versuchte mich an die letzten Stunden zu erinnern. Zusammen mit Tascha. Ich konnte nicht. Ich wusste nicht, was passiert war. Das einzige was ich sah, waren zwei hell leuchtende Punkte, die immer näher kamen. Sie wurde umher geschleudert. Blut. So viel Blut.
Ich weinte. Schmeckte das Salz der Tränen. Der Tränen, die vermischt mit den Tropfen des Regens mein Gesicht herunter liefen. Von meiner Nase tropften. Die ich auf meinen Lippen schmecken konnte. Die mein Kinn herunter liefen. Langsam begann ich zu verstehen, was passiert war. Tascha war tot. Endgültig von uns gegangen. Und es war meine Schuld. Doch begreifen, nein. Begreifen konnte ich nicht. Der Mensch lernt nicht zu begreifen. Er lernt nur zu verstehen. Es in sich aufzunehmen. Nachvollziehen, drüber nachdenken, nein, das lernt er nicht. Lernte ich nicht.
„Wieso?“, rief jemand in die Nacht. Ich war dieser Jemand.
Ich beugte mich zu ihrem Ohr nach vorne. „Hoffentlich ist es schön, da wo du jetzt bist.“
Die Außenwelt drang zu mir durch. So plötzlich, wie sie gegangen war. Alexis kam angerannt. Ich stand auf. Sie nahm mich in den Arm. Nicht um mich zu trösten, ich der nicht begriff. Ich, der schon wieder aufgehörte hatte zu weinen, da Tränen den Schmerz nicht ausdrücken konnten. Ich, der sich die Schuld an ihrem Tod gab. Ich.
Mein Blick war leer. Mein Gesicht ausdruckslos. Ich strich Alexis tröstend über den Rücken. Sie weinte. Immer stärker. „Wir schaffen das“, flüsterte ich ihr zu.
Martinshorn, Blaulicht. Der Notarzt und der Rettungswagen trafen ein. Der Notarzt und der Rettungswagen trafen zu spät ein.
Zu spät, sagte der Bauch.
Zu spät, sagte das Herz.
Zu spät, sagte der Kopf.
Zu spät, sagte ich.
Zu spät?, fragte ich.
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Eine kleine Geschichte. Im Sommer 2009 geschrieben.
Für Becca gepostet :)
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Xoxo.
Wenn die nicht so traurig wäre... wunderschön geschrieben. Wie ich es mir gedacht hatte.
AntwortenLöschenDanke (:
Wunderschön geschrieben, wirklich wirklich.
AntwortenLöschenUnd leider hab ich dich nicht gesehen, wie denn auch, Doofkopf :D
Daaaanke :) Man tut, was man kann ;D
AntwortenLöschenJaaa, das war ja auch nur ein Spaß, ob du mich gesehen hast :)
Woa maaan, ich hab gerade einen halben Herzinfarkt bekommen, als ich auf deine Seite gegangen bin o:
AntwortenLöschenSieht richtig gut aus! (:
Die hattest du mir schonmal gezeigt, nicht wahr?
AntwortenLöschenDann weißt du ja was ich davon halte :)
Das find ich aber ziemlich schade.
AntwortenLöschenOH und ist das extra, dass das "being" oben mit 2 e ist? :o
Woa, Feechen was dir alles auffällt o:
AntwortenLöschenDas war auch nicht böse gemeint oder so :x soll niemand so auffassen!
AntwortenLöschenDas hab ich auch nicht gemeint o:
AntwortenLöschentoll!
AntwortenLöschenAlso Fee fand das Design vorher besser?
AntwortenLöschenIch brauchte mal was neues, bin aber auch noch nicht ganz fertig :)
Und... ne.. :D ist nicht absicht. werd ich noch ändern schnell :O
Nein, find ich schade dass ich dich nicht gesehen hab! :D
AntwortenLöschenAsooooo :D
AntwortenLöschenTja, vielleicht haben wir uns ja gesehen, ohne es zu wissen ;)
Oh, dann warst du also der Obdachlose am Bahnhof, dem ich ein Brötchen geschenkt hab? :))
AntwortenLöschenJa :O
AntwortenLöschenDanke :)
Nee, war die meiste Zeit am Innenhafen...:)
Wieso warst du eig in Duisburg? :D Kommste hier so ausser Gegend? :O
Ich komm aus Dortmund :) Musste nem Freund seine Jacke vorbeibringen, der wohnt fast direkt am Bahnhof! :)
AntwortenLöschenDoooortmund :O
AntwortenLöschenWie uncool :)
Asooo :)
könnt ihr mir blogs von guten schreibern empfehlen? wär lieb!
AntwortenLöschenhttp://www.thelyricalone.blogspot.com/ der hier ist sehr gut :)
AntwortenLöschenAnsonten, die beiden anderen die hier noch kommentiert haben.
Die Becca und die Fee.
Find ich seeehr gut :)
Dortmund ist nicht uncool. alleine schon, weil ich hier lebe, haha! :o
AntwortenLöschenZum Design wollt ich sagen: Vorher wirkte es wirklich seeeehr depressiv, find ich jetzt schöner :)
Danke :)
AntwortenLöschenJa, das hat aber auch zu dem ein oder anderem Eintrag gepasst, das depressive :-S :D
Ja, ich wollt einfach mal Abwechslung :)
Jaaa... Aber Dortmund... ist halt... Lüdenscheid-Nord, weiße? :D BxB und so :-S :D
Aber klar, du machst das alles wieder gut ;D
Pf. Wollen wir jetzt mal nicht nur Dortmund des Fußballes wegen haten ! :D Woher kommst du denn? :o Duisburg direkt?
AntwortenLöschenYeees, Duisburger :)
AntwortenLöschenOkay, Dortmund ist okay... Nur sportlich nicht so :)
Aber hey, ich war schon mal inner Westfalenhalle aufm Toten Hosen konzert :O :D :)
Die Hosen spielen irgendwann demnächst in der Kneipe meiner Tante, die haben beim 1live-Kneipenduell gewonnen :DD
AntwortenLöschenUnd sportlich sind wir supidupi, aber kommt ja auf die Einstellung an, darüber streiten sich nur Proleeeeeten! :)
:D
AntwortenLöschenIch finds immer lustig dortmunnd fans zu ärgern :D
Im grunde sind die einzigen dinge, die ich echt nicht mag: 1. die farben und 2. Großkreutz :-S :D
Waaaaaaaaas :O Da will ich hin *-* :D
Großkreutz ist auch sowas von.. dumm und hässlich :DD
AntwortenLöschenUnd.. ich muss da kellnern. :/! Und es wird voll sein, wie letztes Jahr.
:D
AntwortenLöschenBesorg mir mal nen Autogramm von denen :O
Wie ich das bekomme... können wir uns dann immernoch überlegen :D