Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.


28. Dezember 2012

I'm just tired.

Ich bin müde. Wirklich müde.
An zu wenig schlaf liegt es eigentlich nicht. Ich hab' ja mein supi-dupi-antidepressivum, welches sedierend wirkt. Also beruhigt, müde macht. Ein bis zwei Stunden schlaf' ich wie ein Stein. Und werd auch sooo schnell gar nicht mehr wach.
Es ist vom körperlichem Wohlbefinden wirklich ein Unterschied, wenn man über Monate nur ca. drei Stunden schläft, oder mal sechs, sieben, neun Stunden am Stück durchschlafen kann. Wunderbares Gefühl.
Und trotzdem, ich bin müde.







Okay, das erste stimmt nicht. Ich bin nicht müde vom weinen. Ich bin müde vom "nicht-weinen-können". Denn auch wenn die Emotionen da sind, auch wenn sie raus wollen, irgendwas stoppt sie. Wenn ich bloß wüsste was.
Okay. Yelling. Schreien. Eigentlich nie, jedenfalls fast. Ab und an mal. Ins Kissen. Oder so.
Okay.
Okay, ich bin einfach nur noch K.O. Ich bin fertig, kaputt. Wie anstrengend es einfach ist, während zwei Geburtstagen und Heiligabend so zu tun, als wär alles okay. Man will ja niemandem das "frohe Fest" versauen.
Okay.
Eigentlich will ich gar nicht zu allem was sagen. Das sagt doch shcon alles.
Ich bin einfach müde von der Anstrengung. Diese Anstrengung, die sich Leben nennt.
Okay.
"I'm just tired of being tired."
Kann mir mal jemand diese Müdigkeit abnehmen?


xo.

25. Dezember 2012

Rückblickend.

Ja, es ist Weihnachten.
Nicht Silvester. Nicht der 1. Januar.
Aber dennoch wird gerade Weihnachten oft genutzt um zurück zu blicken. Das Jahr zu Reflektieren.
Und so ist es auch bei mir.
Nicht, weil es Weihnachten ist. Nein.
Einfach, weil heute der 1. Weihnachtstag ist und ich nichts zu tun habe.
Einfach, weil ich mich zur Zeit in einem ständigen Prozess der Selbst-Reflektion befinde.
Einfach, weil es dazu an der Zeit ist.
Einfach, weil ich dabei bin mein Leben neu zu ordnen.
Einfach, weil ich dabei bin mein Leben neu zu formen.

Ich weiß nicht, wer diesen Blog überhaupt liest.
Oder wer meine Text noch liest, einfach weil es so unregelmäßig geworden ist, dass ich mich an meinen PC setze, blogger öffne und anfange zu schreiben.
Und da dies ein Jahresrückblick sein soll, und da es mit das wichtigste Thema ist, welches mich rund um die Uhr beschäftigt, jeden Tag begleitet, fange ich damit an.
Ich weiß nicht, wer von diesen Lesern es weiß - und wer nicht.
Ich denke die meisten, auf jeden Fall die Wichtigsten wissen es.
Seit Anfang des Jahres bin ich in Behandlung wegen Depressionen.
Depressionen, eine Krankheit.
Ich werde immer gefragt, wie man sich das vorstellen kann, was man sich darunter vorstellen kann, wie es sich anfühlt.
Es ist so furchtbar schwer, etwas zu beschreiben, dass sich Tag für Tag, ja, Minute für Minute ändern kann. Oft sind es auch nur die kleinsten Momente, die meine Stimmung ändern.
Okay.
Fang ich mal an.
Depressionen. Wie fühlt sich das an?

Ja, das ist schon das erste Problem bei der Erklärung. Man fühlt fast gar nichts mehr. Man ist leer und kaputt. Verfällt immer wieder der Lethargie, ist müde. Viele schlafen viel, andere (wie ich) fast gar nicht mehr.
Ich vergleiche es oft mit Jahreszeiten.
Sommer: Alles ist schön, bunt, sonnig, ergo: Alles ist super, einem geht es richtig gut.
Herbst: Die Blätter fallen, die Tage werden kürzer, alles wird dunkler, grauer. Ergo: Es beginnt einem schlechter zu gehen, die Stimmung wird schlechter, die Laune ist getrübt. [Bei Menschen, die bereits wegen Depressionen behandelt werden oder wurden sollte an diesem Punkt ihre Warnsirenen hören; Das Frühwarnsystem sollte funktionieren, solange man sich noch selbst auffangen kann.]
Winter: Die Tage sind kurz, es ist grau, dunkel. Ergo: Die eigentliche Depression. Es ist alles dunkel, hässlich, kalt, leer.
[Soweit so gut, kann man meinen. Diese Phase hat jeder mal. Stimmt! Aber: Bei Depressionen wird aus dem Winter kein Frühling.]
Frühling: Die Tage werden wieder länger, die Sonne fängt wieder an zu scheinen, die Farben kehren zurückt. Ergo: Die Stimmung hebt sich wieder, es ist nicht mehr dunkel und grau. 

Der Unterschied: Aus dem "Winter" kommen Menschen, die an Depressionen erkrankt sind nicht wieder ohne weiteres raus. Es ist ein Teufelskreis.
Beispiel: Man müsste eigentlich für die Schule lernen, aber man fühlt sich kaputt und schwach. Also tut man nichts. Man macht, was einem Spaß macht oder im schlimmeren Fall, man verzieht sich in sein Bett. Dann kommt die Gewissheit, dass man nichts gemacht hat, was man hätte tun sollen. Dadurch hat man ein schlechtes Gewissen, macht sich Vorwürfe, fühlt sich schlecht. Man nimmt sich vor, es am nächsten Tag besser zu machen, aber da die Aufgabe gestiegen ist, da man noch mehr machen muss, legt man sich wieder in sein Bett, wodurch man nochmeher schlechte Gedanken bekommt.
Dieses Beispiel ist nur eins von vielen.
Jetzt muss man sich vorstellen, dass es genauso mit allem im Leben läuft. Das man alles schleifen lässt, es immer auf den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat verschiebt.
Am Ende sind die Aufgaben, Pflichten und das Soll so hoch, dass es heißt: Nichts geht mehr.
Denn dazu kommt weiter, das "Nichts-Fühlen", die "Leere", die "schlechte Laune" oder auch "Traurigkeit", das Gefühl "innen leer" und "kaputt" zu sein, "Keine-Lust-Auf-Gar-Nichts" zu haben, alles und sich selbst zu "hassen", "nicht mehr weiter wollen".
 Das ist der Punkt, an dem Selbsthass und bei vielen zu einem autoaggressivem Verhalten kommt, also der Selbstverletzung.
(Nein, bei mir nicht.)
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Ich weiß nicht, ob es verständlich war. Ob es für manche verständlicher wurde.
Jedenfalls, an diesem "Nichts-geht-mehr"-Punkt, den man nun ersteinmal selbst erkennen muss, ist es an der Zeit, und eigentlich schon viel zu spät, sich zu Hilfe zu suchen.
Das habe ich getan, ich glaube es war Februar. Es waren ungefähr 3 Monate nach Beginn dieser depressiven Episode.
Zuerst habe ich mit meiner Mutter darüber geredet, dann mit meinem Vater. Mit Justin, Cedric, Louisa und nach und nach die wichtigsten meiner Freunde, die wichtigsten der Menschen in meiner Umgebung.
Mit meiner Mutter hatte ich für die selbe Woche einen Termin bei meiner Neurologin ausgemacht.
Meine behandelnde Neurologin, welche mich schon auf Grund meiner ständigen Kopfschmerzen untersucht hat, ist gleichzeitig Psychiaterin. Dort habe ich mich lange mit ihr unterhalten. Die Diagnose, die sie mir genannt hat war eine "mittelschwere Depression."
Psychopharmaka verschrieben bekommen, die Empfehlung eine Therapie zu machen dazu.
Einen Zettel mit Adressen und Telefonnummern von Therapeuten gab es zu meiner Überweisung auf der der diagnose Schlüssel stand direkt dazu:
f 32.1
Mittelgradige depressive Episode (Berufliche oder häusliche Anforderungen können nicht mehr oder – bei Tagesschwankungen – nur noch zeitweilig bewältigt werden).
(Zitat: Wikipedia.)

Dann ging alles sehr schnell. Eigentlich haben alle Psychotherapeuten eine laaaaange Warteliste. Aber wenn die Mutter des besten Freundes in der geschlossen in einem Krankenhaus arbeitet, geht sowas doch oft schneller.
Nun, seit März bin ich in therapeutischer Behandlung.

 --- Teil 1, Thema Depression, Abgeschlossen ---


Was ist dieses Jahr noch passiert?


Kurze Zeit nach der Diagnose:
Kontakt und Freundschaft zu einem Menschen beendet, von der ich um einiges mehr erwartet hätte an Unterstützung. An Verständnis. Keinen Streit, weil ich wenig Zeit habe. Vertrauchen in sie verloren.

Ich befinde mich gedanklich im Mai.
Bei einer Freundin geschlafen. Sie geküsst. Danach fast den Kontakt abgebrochen, es hat nicht geklappt.

Die 11. Klasse erfolgreich wiederholt.

Die besten Partys gefeiert.

Gemerkt, wie wunderbar meine Freunde sind.

Roadtrip gehabt.
Roadtrip... Oh man. Was soll ich da noch zu sagen?
In 20 Jahren wieder, gleiche Tour, anderes Auto? Es war einfach genial.

Einen Menschen kennengelernt, mehrmals gedatet, geküsst, enttäuscht worden. Gehört dazu.

Anfang Klasse 12. Fast eine neue Klasse, da ein großer Teil sitzen geblieben oder abgegangen ist. Fast genauso viele neue kamen in die Klasse.

Düsseldorf ist ARTig,
jaaaa, das war ein voller Erfolg. Spaß hat es gemacht, Erfahrung hat es gebracht. Nächstes Jahr hoffentlich wieder.


 --- Teil 2, das dominierende Thema Depression, Anfang ---



Nun. Klasse 11 habe ich super abgeschlossen. Klasse 12 hat super angefangen. Und dann... kam der Punkt, an dem wieder alles bergab ging. Warum? Keine Ahung.
Kaum noch geschlafen, keine Konzentration gehabt. Nach dem Sinn des Abiturs gesucht, ihn nicht gefunden. Keine Lust mehr gehabt. Sechsen geschrieben. Unmotiviert. Noch weniger geschlafen.

Besuch bei meiner Psychiaterin: "Ich halte es für ratsam, wenn sie einen Aufenthalt in einer Tagesklinik machen."
Tagesklinik. Mhm.
Dazu: Neue Anti-Depressiva, welche ich zu den anderen dazu nehme. Das Gute daran: Sie sind wie Schlafmittel. Also, ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen nehmen und dann wie ein Stein im Bett liegen und tief und fest schlafen, welch ein wunderbares Gefühl, das ich schon fast vergessen hatte.
Okay. Über Tagesklinken informiert, so gut es ging. Für sehr sinnvoll befunden. Drum gekümmert.
Schule liegt nun auf Eis.
Ich werde ca. im März in für ungefähr acht Wochen einen Aufenthalt in einer Tagesklinik haben.
Bis dahin habe ich Leerlauf.
Keine Schule. Bin krank geschrieben.
Hat seine Vor- und Nachteile, ja.

--- Thema Depressionen, Abgeschlossen ---


Es ist schon seltsam, wie sich mein ganzes Leben so entwickelt.
Wie viele Möglichkeiten sich mir entziehen. Aber auch, was für Möglichkeiten und welch Unterstützung ich erfahre.
Dafür bin ich dankbar, ja, mehr als das.

Ich wünsche euch ein schönes neues Jahr.

Ich werde aus meinem das Beste machen, was mir zur Verfügung steht.
Ich werde aus meinem das Beste machen, was mir mein Leben zur Verfügung stellt.

Xoxo.